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Erholung

Eisbaden: Nur ein Trend oder ein nützliches Recovery-Tool

Von Rich Froning über LeBron James bis zu den Spitzen-Athleten der Crossfit Games – Eisbäder oder Cold Plunges sind aus modernen Recovery-Protokollen nicht mehr wegzudenken. Was früher als spartanische Abhärtungsmethode galt, ist heute fester Bestandteil wissenschaftlich fundierter Regenerationsstrategien. Doch der Hype um eiskaltes Wasser geht weit über den Profisport hinaus: Die Biohacking-Community, Fitness-Enthusiasten und Gesundheitsbewusste weltweit integrieren Eisbaden in ihre täglichen Routinen. Aber was steckt wirklich dahinter? Ist das eiskalte Bad nur ein Trend oder eine wissenschaftlich belegte Methode zur Optimierung der Trainingserholung? Und wie wird es richtig angewendet?

 

Kurz und knapp

Infotainment für die Kaffeepause.

  • Eisbaden reduziert Muskelkater um bis zu 20 % und beschleunigt die Erholung – besonders effektiv nach intensiven Ausdauereinheiten, MetCons und Wettkämpfen mit kurzen Pausen zwischen den Belastungen.
  • Timing ist entscheidend: Nach Ausdauertraining und Crossfit-WODs kannst du sofort ins kalte Wasser. Nach reinem Krafttraining solltest du 4-6 Stunden warten, wenn Muskelaufbau dein Ziel ist. Sonst können die Kraftzuwächse leiden.
  • Starte sanft: Beginne mit 15-18 °C für 2-3 Minuten und steigere dich langsam auf 10-15 °C für 10-15 Minuten. Eisbaden ist ein Tool, kein Wundermittel. Es funktioniert am besten in Kombination mit gutem Schlaf, richtiger Ernährung und intelligentem Training.

 

Und los geht’s

Was ist ein Cold Plunge

Ein Cold Plunge bezeichnet das vollständige oder teilweise Eintauchen des Körpers in kaltes Wasser, typischerweise zwischen 10 und 15 °C, für eine Dauer von 2 bis 15 Minuten. Diese Form der Kältetherapie unterscheidet sich von anderen Methoden:

  • Cold Plunge / Cold Water Immersion: Vollständiges Eintauchen in kaltes Wasser, meist in speziellen Wannen oder natürlichen Gewässern.
  • Eisbad: Ähnlich wie Cold Plunge, aber oft mit Eiswürfeln auf Temperaturen unter 10 °C gekühlt. Umgangssprachlich ist damit aber auch oft Cold Plunge gemeint.
  • Kryotherapie: Extrem kalte Luft (bis -110 °C) für 2-4 Minuten in speziellen Kammern.
  • Kalte Duschen: Lokale oder ganzkörperliche Kälteanwendung mit fliessendem Wasser.

Die meisten wissenschaftlichen Studien konzentrieren sich auf Eisbaden bei 10-15 °C, da diese Temperatur einen optimalen Kompromiss zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit darstellt.

Was passiert beim Eisbaden im Körper

Durchblutung: Sobald dein Körper ins kalte Wasser eintaucht, ziehen sich die Blutgefässe an der Hautoberfläche zusammen – dein Körper versucht damit, Wärme zu sparen. Das Blut fliesst verstärkt in die Körpermitte, wo deine lebenswichtigen Organe liegen. Das Spannende passiert nach dem Eisbad: Die Gefässe öffnen sich wieder und zwar stärker als vorher. Plötzlich strömt vermehrt frisches, sauerstoffreiches Blut in alle Bereiche deines Körpers. Stell dir vor, du öffnest einen Wasserhahn erst ganz wenig und dann auf einmal voll auf – genauso funktioniert dieser Effekt. Dieser Wechsel zwischen Zusammenziehen und Weiten trainiert deine Blutgefässe wie eine Art Gefässgymnastik und verbessert die Durchblutung bis in die kleinsten Äderchen.

Entzündungsreduktion: Intensive körperliche Belastung führt zu Mikrotraumata in der Muskulatur und einer lokalen Entzündungsreaktion. Kälte reduziert nachweislich die Konzentration von Entzündungsmarkern. Eisbaden kann die Wahrnehmung von Muskelkater um durchschnittlich 20 Prozent reduzieren.

Neuronale und hormonelle Reaktionen: Der Kälteschock aktiviert das sympathische Nervensystem massiv. Studien zeigen einen Anstieg von Noradrenalin um bis zu 250 Prozent, was zu erhöhter Wachsamkeit, Fokus und sogar verbesserter Stimmung führen kann. Gleichzeitig steigt die Dopaminausschüttung, was das Belohnungssystem aktiviert und möglicherweise die mentale Resilienz stärkt.

Metabolische Anpassungen: Regelmässige Kälteexposition kann die Aktivität von braunem Fettgewebe erhöhen, das Kalorien zur Wärmeproduktion verbrennt. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Eisbaden die Insulinsensitivität verbessern kann, was für die Nährstoffverwertung relevant ist.

Welche Vorteile hat Eisbaden für die Erholung nach dem Training

Reduktion von Muskelkater und Beschleunigung der Erholung: Die akute Kälteanwendung nach intensivem Training zeigt konsistente Effekte auf die subjektive Schmerzwahrnehmung. Eine umfassende Übersichtsarbeit dokumentiert, dass Eisbaden die Muskelkater-Intensität in den ersten 24 bis 96 Stunden nach dem Training signifikant reduziert. Besonders effektiv ist die Methode bei:

  • Hochintensiven Intervalltrainings
  • Exzentrischen Belastungen (z.B. Bergablaufen, negative Wiederholungen)
  • Wiederholten Wettkampfbelastungen mit kurzen Erholungsphasen

Die Erklärung liegt in der Reduktion von Schwellungen und der Abschwächung der sekundären Schädigung durch überschiessende Entzündungsreaktionen.

Wiederherstellung der neuromuskulären Funktion: Interessanterweise zeigen neuere Studien, dass Eisbaden nicht nur subjektives Wohlbefinden verbessert, sondern auch objektive Leistungsparameter schneller wiederherstellt. Die Zeit bis zur Wiedererlangung der maximalen Sprungkraft und Sprintleistung kann um 12 bis 24 Stunden verkürzt werden – ein entscheidender Vorteil bei dicht getakteten Wettkampfphasen.

Psychologische Erholung: Ein oft unterschätzter Aspekt ist die mentale Komponente der Erholung. Athleten berichten konsistent von verbesserter Stimmung, reduzierter Müdigkeit und höherer Motivation nach Cold Plunges. Dies könnte teilweise auf die Noradrenalin- und Dopaminausschüttung zurückzuführen sein, aber auch auf einen psychologischen Placebo-Effekt – der allerdings völlig legitim ist, wenn er die Gesamterholung unterstützt.

Der Einfluss von Cold Plunge auf die Nährstoffversorgung der Muskeln

Ein besonders faszinierender und komplex zu betrachtender Aspekt ist der Einfluss von Kältetherapie auf die Nährstoffversorgung der Muskulatur – ein Mechanismus, der sowohl positive als auch potenziell limitierende Effekte haben kann.

Die zweiphasige Durchblutungsreaktion: Während des Cold Plunge kommt es zunächst zur Vasokonstriktion: Die Blutgefässe in den Extremitäten und der Muskulatur ziehen sich zusammen, was die Durchblutung temporär reduziert. Dies führt zu:

  • Verringertem Blutfluss zu den arbeitenden Muskeln
  • Reduzierter Sauerstoffversorgung
  • Temporär eingeschränkter Nährstoffzufuhr

Nach dem Verlassen des kalten Wassers setzt jedoch die reaktive Hyperämie ein – eine überschiessende Gefässerweiterung, die zu einer stark erhöhten Durchblutung führt. Dieser "Rebound-Effekt" kann die Nährstoffversorgung sogar über das Ausgangsniveau hinaus steigern.

Auswirkungen auf die Glukoseaufnahme: Die Forschung zeigt ambivalente Ergebnisse bezüglich des Glukose-Metabolismus nach Kälteanwendung. Einerseits kann die verbesserte Insulinsensitivität durch regelmässige Kälteexposition die Glukoseaufnahme in die Muskelzellen langfristig verbessern. Andererseits kann die akute Kälteanwendung unmittelbar nach dem Training die Glykogensynthese temporär verlangsamen. Für die Praxis bedeutet das: Wenn dein primäres Ziel die schnellstmögliche Auffüllung der Glykogenspeicher ist (etwa bei mehrtägigen Wettkämpfen), könnte ein Zeitfenster von 1-2 Stunden zwischen Training und Cold Plunge sinnvoll sein.

Proteinversorgung und Muskelproteinsynthese: Hier wird es besonders relevant für Kraftsportler: Die reduzierte Durchblutung während und unmittelbar nach dem Cold Plunge kann theoretisch die Versorgung der Muskeln mit Aminosäuren einschränken. Kombiniert mit der entzündungshemmenden Wirkung, die auch anabole Signalwege dämpfen kann, ergibt sich ein komplexes Bild.

  • Die akute Entzündungsreaktion nach Krafttraining ist ein notwendiges Signal für Muskelwachstum.
  • Zu starke Unterdrückung dieser Reaktion kann die Muskelproteinsynthese abschwächen.
  • Der Effekt scheint dosisabhängig zu sein: Kürzere, wärmere Anwendungen (12-15 °C, 5-8 Minuten) haben weniger inhibitorische Wirkung als extreme Kälteanwendungen.

Mikronährstoffe und oxidativer Stress: Eisbaden beeinflusst auch den oxidativen Stress und die antioxidative Kapazität des Körpers. Kälte kann die Produktion freier Radikale reduzieren, was zunächst positiv klingt. Allerdings sind gewisse Mengen reaktiver Sauerstoffspezies wichtige Signalmoleküle für Trainingsanpassungen. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Antioxidantien in Kombination mit strategisch eingesetzter Kältetherapie scheint der optimale Ansatz zu sein.

Praktische Empfehlungen für optimale Nährstoffversorgung

Timing der Proteinzufuhr: Konsumiere deine Post-Workout-Mahlzeit oder deinen Protein-Shake idealerweise vor dem Cold Plunge, damit die Aminosäuren bereits im Blutkreislauf verfügbar sind.

Kohlenhydrate bei Ausdauertraining: Nach intensiven Ausdauereinheiten mit Glykogenentleerung kannst du schnell verfügbare Kohlenhydrate direkt nach dem Training zuführen, bevor du ins kalte Wasser gehst.

Hydratation: Kälte kann das Durstgefühl reduzieren, aber die Flüssigkeitsversorgung ist essentiell für den Nährstofftransport – trinke ausreichend vor und nach dem Cold Plunge.

Mikronährstoffe: Stelle sicher, dass deine Grundversorgung mit Zink, Magnesium, Eisen und B-Vitaminen optimal ist, da diese für Erholungsprozesse zentral sind.

Eisbaden für Crossfit-Athleten

Crossfit stellt mit seiner Kombination aus Gewichtheben, Gymnastik und metabolischem Konditionstraining einzigartige Anforderungen an die Regeneration. Von Mat Fraser über Rich Froning bis Tia-Clair Toomey haben Eisbaden zu einem festen Bestandteil ihrer Recovery-Protokolle gemacht.

Crossfit unterscheidet sich fundamental von reinem Kraft- oder Ausdauertraining. Ein typisches Workout kann folgende Belastungen kombinieren:

  • Hochintensive metabolische Konditionierung (MetCons wie Fran oder Cindy)
  • Schwere Kraftbelastungen (Squats, Deadlifts, Olympic Lifts)
  • Exzentrische Belastungen (Pull-ups, Box Jumps, Muscle-ups)
  • Repetitive Bewegungsmuster unter Ermüdung

Diese Kombination führt zu ausgeprägten Mikrotraumata, systemischer Ermüdung und häufig zu erheblichem verzögertem Muskelkater. Eine aktuelle Studie zum legendären Murph-Workout dokumentiert die extremen Anforderungen dieses Benchmark-WODs.

Die Studienlage zu Eisbaden im Crossfit

Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2025 hat Eisbaden direkt mit Massage nach dem berüchtigten Murph-Workout verglichen. Das Ergebnis: Eisbaden reduzierte die Schmerzen deutlich besser – sowohl in Ruhe als auch beim Training. Nach 48 Stunden waren die Teilnehmer, die ins Eisbad gingen, komplett schmerzfrei. Sie saßen dabei 20 Minuten in 8 °C kaltem Wasser.

Reduktion von Laktat und Ermüdungsfaktoren: Eine Studie aus dem Jahr 2021 dokumentiert, dass Eisbaden die Konzentration von Blutlaktat schneller auf Ausgangsniveau zurückführt als passive Erholung. Dies ist besonders relevant bei mehreren WODs pro Tag oder während Wettkampfphasen.

Verbesserung der wahrgenommenen Erholung: Crossfit-Athleten berichten konsistent von verbesserter Regeneration und reduziertem Muskelkater. Die Forschung zeigt, dass die Wahrnehmung der Erholung bis zu 72 Stunden nach intensiver Anstrengung verbessert sein kann.

Power-Recovery bei hochintensivem Training: Eine Meta-Analyse dokumentiert, dass Eisbaden 24 Stunden nach hochintensiver Belastung die Wiederherstellung der muskulären Explosivkraft effektiv fördert – ein kritischer Faktor für die charakteristischen Hochgeschwindigkeits-Bewegungen im Crossfit.

Strategie für Crossfit

Im Gegensatz zu reinem Krafttraining, wo wir vorsichtig mit direkter Post-Workout-Kälte sein müssen, bietet Crossfit mehr Flexibilität:

Nach MetCons und Mixed Modality WODs:

  • Sofort nach dem Training möglich – Die Kombination aus Ausdauer und Kraft profitiert von unmittelbarer Kälteanwendung
  • Temperatur: 10-15 °C
  • Dauer: 10-15 Minuten
  • Besonders wertvoll bei WODs mit hohem Volumen an Körpergewichtsübungen

Nach schweren Krafteinheiten:

  • Warte 4-6 Stunden, wenn Muskelaufbau im Vordergrund steht
  • Alternativ: Nur die unteren Extremitäten eintauchen, wenn der Oberkörper den Kraftfokus hatte
  • Viele Elite-Crossfitter tauchen gezielt nur die Arme ein (10-15 Minuten) nach intensiven Gymnastics- oder Pulling-Sessions.

Während Wettkampfphasen:

  • Zwischen den WODs am selben oder aufeinanderfolgenden Tagen: 10-15 Minuten bei 10-12 °C
  • Hier ist die kurzfristige Leistungswiederherstellung wichtiger als langfristige Adaptation
  • Studien aus Turnier-Simulationen zeigen verbesserte Sprint- und Power-Erholung bis zu 24 Stunden.

Mehrfach-WODs pro Tag: Forschung zeigt, dass Athleten bei intensivem Radtraining mit täglichem fünfminütigem Stehen in kaltem Wasser an drei aufeinanderfolgenden Tagen ihre Leistung konstant aufrechterhalten konnten. Dieses Prinzip lässt sich auf Crossfit-Camps oder intensive Trainingsblöcke übertragen.

Die mentale Komponente für Crossfitter

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die psychologische Wirkung. Die bewusste Erfahrung einer unbequemen Situation bietet die grössten mentalen Vorteile. Die Kälte aktiviert das sympathische Nervensystem – die Kampf-oder-Flucht-Reaktion – und es liegt an der Person, ihre Atmung zu verlangsamen und herunterzuregulieren. Diese Fähigkeit überträgt sich direkt auf Crossfit-WODs, besonders bei den mental fordernden langen Chippers oder brutalen AMRAPs. Die Fähigkeit, in Unbehagen ruhig zu bleiben und kontrolliert zu atmen, ist im Cold Plunge dieselbe wie im 20. Burpee einer langen Runde. Zusätzlich zeigen Studien Verbesserungen bei Depression und Angst, Stimmung, Kognition und Stressreduktion – alles Faktoren, die die Trainingsqualität und -konsistenz langfristig unterstützen.

Häufige Fehler von Crossfit-Athleten

Zu häufige Nutzung direkt nach Strength-Zyklen: Wenn du gerade in einem 12-Wochen-Strength-Programm bist, solltest du die unmittelbare Post-Workout-Kälte reduzieren. Die Forschung zeigt deutlich, dass chronische, sofortige Kälteimmersion nach schwerem Heben Kraft- und Hypertrophie-Zuwächse über Zeit abschwächen kann.

Zu lange Verweildauer: Mehr ist nicht immer besser. 10-15 Minuten reichen aus. 20-30 Minuten erhöhen primär das Risiko für übermässige Kältestress-Reaktionen ohne zusätzlichen Nutzen.

Vernachlässigung der Ernährung: Cold Plunge ersetzt nicht die fundamentale Post-Workout-Nutrition. Stelle sicher, dass du deine Proteine und Kohlenhydrate zuführst, idealerweise vor der Kälteimmersion.

Keine Progression: Wie beim Training selbst: Beginne konservativ und steigere dich. Ein Anfänger sollte nicht mit denselben Protokollen starten wie ein erfahrener Athlet.

Wann ist Eisbaden sinnvoll und wann eher nicht

Dies ist vielleicht der kontroverseste Aspekt der Eisbade-Debatte und die Antwort hängt stark von deinen Trainingszielen ab.

Nach Krafttraining: Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass regelmässiges Eisbaden direkt nach Krafttraining die langfristigen Anpassungen beeinträchtigen kann:

  • Reduzierte Muskelproteinsynthese: Die Kälte dämpft die anabolen Signalwege.
  • Verminderte Satellitenzellaktivierung: Diese Zellen sind wichtig für Muskelwachstum und -reparatur.
  • Geringere Kraftzuwächse: In Studien über 8-12 Wochen zeigten Gruppen mit regelmässiger Kälteanwendung nach dem Training geringere Kraft- und Massezuwächse.

Empfehlung für Hypertrophie-Training:

  • Verzichte auf Cold Plunge unmittelbar nach dem Training, wenn Muskelaufbau das primäre Ziel ist.
  • Warte mindestens 4-6 Stunden nach dem Training.
  • Nutze Cold Plunge an trainingsfreien Tagen zur allgemeinen Regeneration.
  • In intensiven Wettkampfphasen, wo Erholung Priorität vor Adaptation hat, können die Regeln anders aussehen.

Nach Ausdauertraining: Für Ausdauersportler sieht die Situation günstiger aus. Die Studien zeigen keine negativen Effekte auf aerobe Anpassungen wie:

  • Erhöhung der VO2max
  • Mitochondrienvermehrung
  • Kapillarisierung

Im Gegenteil: Die verbesserte Erholung kann es ermöglichen, häufiger und intensiver zu trainieren, was insgesamt zu besseren Anpassungen führen kann.

In Wettkampfphasen: Wenn du mehrere intensive Einheiten oder Wettkämpfe in kurzer Zeit absolvieren musst, kann Cold Plunge extrem wertvoll sein. Hier steht nicht die langfristige Adaptation im Vordergrund, sondern die kurzfristige Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit.

Weitere gesundheitliche Benefits über das Training hinaus

Stärkung des Immunsystems: Regelmässige Kälteexposition kann das Immunsystem modulieren. Eine niederländische Studie zeigte, dass Personen, die über mehrere Wochen regelmässig kalt duschten, 29 Prozent weniger Krankheitstage hatten als die Kontrollgruppe. Der Mechanismus ist wahrscheinlich eine erhöhte Anzahl und Aktivität von weissen Blutkörperchen sowie eine verbesserte Stressresilienz. Dies gilt für gesunde Personen. Bei akuten Infekten sollte auf Kälteanwendung verzichtet werden.

Mentale Gesundheit und Stressresilienz: Die psychologischen Effekte von Cold Plunge gehen weit über das momentane Wachheitsgefühl hinaus.

  • Reduktion von Angstsymptomen: Die kontrollierte Stressexposition kann helfen, Angstreaktionen zu regulieren
  • Verbesserung depressiver Symptome: Möglicherweise durch die starke Noradrenalin-Ausschüttung
  • Erhöhte Stresstoleranz: Das Training des mentalen Muskels im geschützten Kontext

Verbesserung der Schlafqualität: Obwohl die direkte Evidenz begrenzt ist, berichten viele Anwender von besserem Schlaf nach regelmässiger Kälteanwendung. Der Mechanismus könnte über mehrere Wege laufen:

  • Reduktion von Stresshormonen über den Tag
  • Verbesserung der zirkadianen Rhythmik durch den Kältereiz
  • Tiefere Entspannung nach der initialen Aktivierung

Timing-Tipp: Vermeide Cold Plunge direkt vor dem Schlafengehen, da die aktivierende Wirkung das Einschlafen erschweren kann. 3-4 Stunden Abstand sind ideal.

Stoffwechsel und Körperkomposition: Die Aktivierung von braunem Fettgewebe durch regelmässige Kälteexposition kann den Energieverbrauch erhöhen. Studien zeigen einen zusätzlichen Kalorienverbrauch von 100-400 kcal pro Tag bei Personen, die regelmässig Kälte ausgesetzt sind. Allerdings ist dies kein Ersatz für Ernährung und Training, sondern ein ergänzender Effekt. Zudem gibt es Hinweise auf verbesserte Insulinsensitivität und Glukosetoleranz durch regelmässige Kälteexposition.

Für wen ist Cold Plunge weniger geeignet

Personen mit folgenden Vorerkrankungen sollten auf Cold Plunge verzichten oder nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz
  • Bluthochdruck (unkontrolliert): Kälte erhöht akut den Blutdruck
  • Raynaud-Syndrom: Extreme Kälteempfindlichkeit mit Durchblutungsstörungen
  • Kälteurtikaria: Allergische Reaktion auf Kälte
  • Offene Wunden oder Hautinfektionen: Erhöhtes Infektionsrisiko

Vorsicht ist geboten bei:

  • Schwangerschaft: Begrenzte Datenlage, lieber auf Nummer sicher gehen
  • Asthma: Kälte kann Bronchospasmen auslösen
  • Epilepsie: In seltenen Fällen kann extremer Kältereiz Anfälle triggern
  • Sehr niedrigem Körperfettanteil: Erhöhtes Risiko für Hypothermie

Fazit

Eisbaden ist weder Wundermittel noch blosser Hype – es ist ein kraftvolles Werkzeug für Regeneration und Gesundheit, das aber mit Köpfchen eingesetzt werden muss. Die Wissenschaft zeigt deutlich, dass Eisbaden wirklich helfen kann: Es reduziert Muskelkater, beschleunigt die Erholung nach intensiven Trainings, verbessert die Laune und mentale Klarheit, stärkt bei regelmässiger Anwendung das Immunsystem und macht dich widerstandsfähiger gegen Stress. Gleichzeitig gibt es Situationen, wo Vorsicht geboten ist. Nach Krafttraining solltest du mit Eisbaden warten, wenn Muskelaufbau dein Hauptziel ist – hier sind 4-6 Stunden Abstand sinnvoll. Auch extreme Temperaturen oder zu lange Dauer ohne vorherige Gewöhnung können mehr schaden als nutzen. Und wenn du bestimmte Vorerkrankungen hast, solltest du vorher unbedingt mit deinem Arzt sprechen. Die goldene Regel lautet: Eisbaden ist ein Puzzleteil, nicht das ganze Puzzle. Optimale Regeneration braucht einen ganzheitlichen Ansatz. Das bedeutet 7-9 Stunden Schlaf pro Nacht, gute Ernährung mit ausreichend Protein und wichtigen Nährstoffen, klug geplantes Training mit genug Erholungspausen und Stressmanagement im Alltag. Wenn all das stimmt, dann kann Eisbaden als strategisches Tool seine volle Wirkung entfalten. Die Kunst liegt darin, die Kältetherapie so in deine Routine einzubauen, dass sie deine Ziele unterstützt statt behindert. Höre auf deinen Körper, passe die Protokolle an deine individuellen Bedürfnisse an und scheue dich nicht zu experimentieren. Aber immer mit gesundem Menschenverstand. Die Kälte ist ein uralter Reiz, auf den unser Körper mit faszinierenden Reaktionen antwortet. Wenn du sie klug nutzt, kann sie ein wertvoller Verbündeter auf deinem Weg zu besserer Leistung und Gesundheit sein. Probiere es aus, starte sanft, steigere dich langsam und finde heraus, wie Eisbaden für dich am besten funktioniert.

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